Tipps für Autofahrer – Verkehrsunfall

1. Das erste Gebot: Anhalten!

Das Gesetz verpflichtet jeden, dessen Verhalten zum Unfall beigetragen haben kann, zunächst am Unfallort zu bleiben. Ausnahmen gelten nur in Notfällen (z.B. wenn ein schwer Verletzter versorgt werden muss). Dann müssen Sie aber unverzüglich nachträglich die notwendigen Feststellungen ermöglichen. Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt. Sie kann Führerschein und Versicherungsschutz kosten und bringt Ihnen obendrein eine empfindliche Strafe ein.

Nach § 142 des Strafgesetzbuchs macht sich grundsätzlich strafbar, wer sich als Unfallbeteiligter vom Unfallort entfernt, ohne die Feststellung seiner Personalien, seines Fahrzeugs oder der Art seiner Beteiligung zu ermöglichen.

Sie müssen also auf Verlangen Ihren Namen und Ihre Anschrift angeben, Führerschein und Fahrzeugschein vorweisen und nach bestem Wissen Angaben über Ihre Versicherung machen. Außerdem müssen Sie berichten, in welcher Weise Sie an dem Unfall beteiligt waren. Andernfalls machen Sie sich strafbar!

Ist niemand an der Unfallstelle zu sehen (z.B. weil Sie gegen ein geparktes Auto gestoßen sind), so müssen Sie in jedem Fall eine angemessene Zeit warten. Wie lange, das hängt von den Umständen (z.B. Tageszeit, Ort und Schwere des Unfalls) ab. Kommt in dieser Zeit niemand, so dürfen Sie sich entfernen, haben aber unverzüglich dem Geschädigten oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle zu melden, dass Sie am Unfall beteiligt gewesen sind. Dabei müssen Sie auch Ihre Anschrift sowie das Kennzeichen und den Standort Ihres Fahrzeugs angeben sowie auf Wunsch die notwendigen Feststellungen ermöglichen. Eine solche Meldung müssen Sie auch machen, wenn Sie sich berechtigt vom Unfallort entfernt haben (z.B. weil Sie sich um einen Verletzten gekümmert haben).
Beachten Sie diese Regeln nicht, machen Sie sich strafbar!

2. Sichern der Unfallstelle und Hilfe für den Verletzten

Prüfen Sie die Folgen des Unfalls und prüfen Sie, was zuerst zu tun ist. Nachts auf einer viel befahrenen Fernstraße, an unübersichtlichen Unfallstellen oder in ähnlichen Situationen setzen Sie durch Rettungsaktionen vor Absicherung der Unfallstelle Ihr Leben und das anderer Verkehrsteilnehmer aufs Spiel.

  • Bei geringfügigen Schäden bis etwa 1.500 % je beteiligtem Fahrzeug unverzüglich an den Straßenrand fahren, wenn dadurch nicht Unfallspuren vor den notwendigen Feststellungen verwischt oder beseitigt werden.
  • Wenn Verletzten nicht unmittelbare Gefahr droht, sofort die Unfallstelle ordnungsgemäß absichern:
    1. Warnblinkanlage einschalten
    2. Warndreieck und (soweit vorhanden) Warnleuchte aufstellen

    Wichtig: Ein Warndreieck wenige Meter vor dem Unfallfahrzeug nützt nichts! Es sollte etwa 100 m vor der Unfallstelle aufgestellt werden.

  • Zur ersten Hilfe bei Unglücksfällen ist Jedermann, besonders aber jeder Unfallbeteiligte verpflichtet, soweit die Hilfe erforderlich und nach den Umständen zumutbar ist. Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar! Im Verbandskasten Ihres Autos finden Sie die wichtigsten Verbandsmaterialien.

    Bei allen Verletzungen, die nicht offensichtlich ungefährlich sind, sollte man einen Arzt zurate ziehen.

  • Halten Sie sich bei Notfallmeldungen (allgemeiner Notruf 110) an das W-Schema:
    1. Wer meldet (Name und Standort)?
    2. Wo ist etwas passiert (Unfallort)?
    3. Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Verletzungen?
    4. Welche sonstigen Unfallfolgen?

3. Personalien austauschen !

Notieren Sie die wichtigsten Daten der anderen Unfallbeteiligten (Name, Anschrift, Versicherung, Versicherungsnummer und polizeiliches Kennzeichen des Fahrzeugs).

Falls die Versicherungsdaten der am Unfall beteiligten Fahrzeuge oder deren Halter nicht bekannt sind, so können diese über den Zentralruf der Autoversicherer in Hamburg unter der bundeseinheitlichen Rufnummer (01 80) 2 50 26 erfragt werden.

Beachten Sie, dass der Zentralruf der Autoversicherer auf Grund Ihres Anrufs die Schadensmeldung an die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners weitergibt. Sie müssen deshalb damit rechnen, dass die gegnerische Haftpflichtversicherung von sich aus an Sie herantritt und einen Kraftfahrzeug-Sachverständigen ihrer Wahl einschaltet. Damit müssen Sie sich jedoch nicht zufrieden geben (siehe hierzu auch Tipp 10).

4. Brauchen Sie die Polizei?

Bei Unfällen mit Toten, Verletzten und erheblichem Sachschaden sollten Sie immer die Polizei rufen (allgemeiner Notruf: 110). Zweckmäßig ist ein solcher Anruf auch, wenn sich die Schuldfrage nicht klären lässt oder wenn an dem Unfall Personen beteiligt sind, die im Ausland wohnen. Notieren Sie bei einer Unfallaufnahme durch die Polizei den Namen der ermittelnden Polizeibeamtin oder des ermittelnden Polizeibeamten und die Dienststelle, damit Sie gegebenenfalls zurückfragen können.

Bagatellschäden können Sie selbst regeln (siehe Tipp 6).

5. Sichern Sie Beweismittel !

Unfallspuren sind die sichersten und besten Beweismittel. Deshalb dürfen Sie nicht beseitigt werden, ehe die notwendigen Feststellungen getroffen sind. Verstöße können mit einer Geldbuße belegt werden!

  • Markieren Sie insbesondere zunächst die Standorte der Fahrzeuge, den genauen Stand der Räder und die Lage von Unfallopfern oder Fahrzeugteilen. Vielleicht finden Sie in Ihrem Verbandskasten eine Kreide.
  • Bei schweren Unfällen sollten die Unfallfahrzeuge bis zum Eintreffen der Polizei nicht verändert werden. Bei Bagatellunfällen müssen Sie dagegen die Fahrbahn möglichst rasch räumen, um den Verkehr nicht unnötig zu behindern. Sie beschwören sonst die Gefahr weiterer Unfälle herauf, die oft schwerer sind als Ihr eigener.
  • Zeugen sind manchmal nicht leicht zu finden. Fragen Sie insbesondere am Unfall nicht beteiligte Umstehende, wer bereit ist, als Zeuge auszusagen. Notieren Sie sich Namen und Anschrift der Zeugen, gegebenenfalls noch die Kraftfahrzeugkennzeichen unbeteiligter Dritter, die den Unfall beobachtet haben.
  • Fotos, die die Unfallstelle, die Anordnung der beteiligten Fahrzeuge nach dem Unfall, Unfallschäden etc. festhalten, erweisen sich später oft als sehr nützlich. Eine im Handschuhfach aufbewahrte billige Kamera, wenn möglich mit Blitzlicht, kann hier gute Dienste leisten.

6. Viel Lärm um nichts: Bagatellschäden

Kleinere Bagatellschäden können die Beteiligten selbst regeln, ohne die Polizei zu rufen. Halten Sie noch am Unfallort in einem kurzen Protokoll alle wesentlichen Angaben über die Unfallbeteiligten, die Fahrzeuge sowie Art, Verlauf und Folgen des Unfalls fest.

Ein Formblatt finden Sie am Ende der Broschüre

Alle Beteiligten sollten unterschreiben. Ihr Unfallgegner erhält ebenfalls ein unterschriebenes Exemplar. Fertigen Sie auch eine Skizze an. Wenn Sie die Polizei zu einem Unfall mit Bagatellschaden rufen, wird sie den Unfall aufnehmen, soweit das zur Klärung der Schuldfrage für ein Ordnungswidrigkeitenverfahren notwendig ist (z.B. wenn ein Unfallbeteiligter eine Verwarnung ablehnt und deshalb eine Ordnungswidrigkeitenanzeige erstattet werden muss), nicht aber zur Sicherung zivilrechtlicher Schadensersatzansprüche der Unfallbeteiligten. Denken Sie gerade bei Bagatellschäden an Ihren Schadensfreiheitsrabatt bei der Versicherung und an den Schadenschnelldienst zur Regulierung kleinerer Schäden.

7. Zwei Klippen, die Sie meiden sollten

  • Pauschale Schuldanerkenntnisse sollten Sie nicht abgeben. Sie können sonst Ärger mit Ihrer Versicherung bekommen. Der Versicherte ist nämlich nicht berechtigt, ohne Zustimmung der Versicherung eine Schuld ganz oder teilweise anzuerkennen.
  • Ungebetene Unfallhelfer sollten Sie besonders kritisch unter die Lupe nehmen. Es könnten „Abschlepphaie“ sein, die Sie unter dem Vorwand der Hilfsbereitschaft nur ausnehmen wollen. Lassen Sie sich in jedem Fall mündlich vor Zeugen oder schriftlich den Preis für die angebotenen Dienste bestätigen. Halten Sie sich im Zweifel lieber an Unternehmen, die Ihnen von den Automobilklubs und Straßenmeistereien als seriös empfohlen werden. Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn Ihnen eine kostenlose Schadensregelung unter der Bedingung angeboten wird, dass Sie Ihre Ersatzansprüche abtreten. Solche Angebote sind oft nicht zu Ihrem Vorteil.

8. Viel Schreibarbeit: Die Versicherungen

Ihre eigene Versicherung müssen Sie innerhalb einer Woche schriftlich informieren, auch wenn Sie nicht an dem Unfall Schuld sind. Der Tod eines Unfallbeteiligten ist sogar gesondert innerhalb von 48 Stunden telegrafisch anzuzeigen.

Die Unfallanzeige sollte vor allem Namen und Anschrift der Unfallbeteiligten enthalten, ferner eine kurze Schilderung des Unfallhergangs und der Unfallfolgen (Schadenshöhe? Verletzte?).

In aller Regel schickt Ihnen Ihre Versicherung dann einen Fragebogen, in dem Sie alle wesentlichen Einzelheiten angeben müssen. Hier können Sie auch schildern, wer Ihrer Meinung nach den Unfall verschuldet hat. Halten Sie sich an die Wahrheit. Sie riskieren Ihren Versicherungsschutz.

Bei einem selbstverschuldeten Unfall empfiehlt es sich häufig (je nach Schadensfreiheitsrabatt bis zu 500 %) Ersatzleistungen ohne Inanspruchnahme der Versicherung selbst zu regulieren, um sich den Schadensfreiheitsrabatt zu erhalten. Sollte eine gütliche Einigung mit den anderen Beteiligten dann trotzdem nicht gelingen, müssen Sie den Schaden bis spätestens zum Ende des Kalenderjahres nachträglich Ihrer Versicherung melden.

Sie können aber auch den Unfall von vornherein Ihrer Versicherung anzeigen und später den von dieser gezahlten Entschädigungsbeitrag erstatten. Ihr Schadensfreiheitsrabatt bleibt Ihnen dann erhalten. Eine Nachmeldung ist im Übrigen auch möglich, wenn Sie im selben Kalenderjahr in einen weiteren Unfall verwickelt werden. Erkundigen Sie sich im Zweifel bei Ihrer Versicherung nach der günstigsten Lösung!

Die Versicherung des Unfallgegners sollten Sie ebenfalls rasch, spätestens binnen 14 Tagen, informieren. Auch Ihren Unfallgegner sollten Sie bitten, seine Versicherung selbst umgehend zu benachrichtigen. Möglicherweise können Sie bei klarer Schuldfrage schon jetzt eine Abschlagszahlung erhalten, um die Reparatur Ihres Wagens oder einen Neuwagenkauf zu finanzieren.

Müssen Sie weitere Stellen informieren?

Denken Sie zum Beispiel

  1. bei Verletzten an die Krankenversicherung
  2. bei Arbeitsunfällen an die Berufsgenossenschaft
  3. bei Verletzungen von Insassen an die Insassenunfallversicherung
  4. an Ihre Rechtsschutzversicherung
  5. und an Ihre Kaskoversicherung.

9. Wird Ihr Schaden voll ersetzt?

Schadenersatz können Sie nur verlangen, wenn der Gegner am Unfall Schuld ist oder wegen der Betriebsgefahr seines Fahrzeugs haftet.

Sie müssen allerdings mit einer Minderung Ihres Anspruchs wegen der Betriebsgefahr Ihres Fahrzeugs oder wegen eines Mitverschuldens rechnen (z.B. wenn Sie keinen Gurt angelegt haben!). Die Anrechnung der Betriebsgefahr entfällt nur, wenn der Unfall für Sie durch höhere Gewalt verursacht worden ist. Höhere Gewalt ist jedoch nur anzunehmen, wenn der Unfall durch ein unvorhersehbares Naturereignis oder ein unvorhersehbares, vorsätzliches Handeln Dritter hervorgerufen wurde und auch bei äußerster Sorgfalt nicht hätte vermieden werden können.
Grundsätzlich sind zwar auch der Halter und (meist) der Fahrer des anderen Wagens ersatzpflichtig. Zweckmäßigerweise machen Sie Ihre Ansprüche jedoch bei der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners geltend.

Beachten Sie: Kinder vor Vollendung des 10. Lebensjahres sind grundsätzlich von jeder Haftung für von ihnen verursachten Unfallschäden freigestellt, soweit sie nicht vorsätzlich gehandelt haben. Ihren eigenen Schaden erhalten die Kinder in vollem Umfang ersetzt, ihr Mitverschulden müssen Sie sich nicht entgegenhalten lassen.

Ist Ihnen der andere Beteiligte des Verkehrsunfalls nicht bekannt (z.B. weil er Unfallflucht begangen hat), oder war das andere Fahrzeug nicht versichert, können Sie möglicherweise trotzdem von den Versicherungen Schadenersatz verlangen. Wenden Sie sich an den

Verein für Verkehrsunfallhilfe e.V., Glockengießerwall 1, 20095 Hamburg.

10. Welche Schäden sind zu ersetzen?

Der Umfang des Ersatzanspruchs kann im Einzelfall streitig sein. Grundsätzlich ist jede wirtschaftliche Einbuße zu ersetzen.

Hier einige Stichpunkte:

  • Personenschäden wie Heilungskosten, Verdienstausfall und Erwerbsminderung werden häufig von den eigenen Versicherungen (Krankenkasse, Berufsunfallversicherung etc.) oder vom Arbeitgeber (Lohnfortzahlung) getragen. Der Ersatzanspruch geht dann insoweit auf diese Stellen über. Nur das Schmerzensgeld müssen Sie in jedem Fall selbst geltend machen.
  • Sachschäden müssen Sie selbst regulieren. In der Regel können Sie Ersatz der Reparaturkosten für Ihren Wagen verlangen. Sie müssen allerdings diese Kosten möglichst gering halten (keine zu aufwändigen Instandsetzungsarbeiten, z.B. genügt häufig eine Teillackierung). Bei Schäden etwa ab 500 % empfiehlt es sich, einen Kraftfahrzeug-Sachverständigen einzuschalten.
  • Den Sachverständigen können Sie selbst auswählen. Die Gutachterkosten hat Ihnen die gegnerische Versicherung zu ersetzen. Dies gilt grundsätzlich auch dann, wenn der Unfallgegner oder dessen Haftpflichtversicherung bereits einen Sachverständigen beauftragt haben sollte. Die Industrie- und Handelskammern geben alljährlich ein Verzeichnis der öffentlich bestellten Sachverständigen heraus und erteilen auch Auskünfte hierzu.
  • Von der Werkstatt sollten Sie sich eine detaillierte Rechnung geben lassen, die Sie bei der Versicherung Ihres Unfallgegners vorlegen können. Bei einem neueren Fahrzeug (bis zu etwa fünf Jahren) können Sie bei schweren Schäden neben den Reparaturkosten auch Ausgleich der Wertminderung verlangen, also für die Differenz des Wertes Ihres Fahrzeugs vor dem Unfall und nach der Reparatur. Für die Höhe der Wertminderung kommt es vor allem auf das Alter des Fahrzeugs, die bisherige Fahrleistung, die Art der Beschädigung und die Reparaturkosten an.
  • Einen Neuwagen können Sie verlangen, wenn Ihr beschädigtes Fahrzeug selbst praktisch fabrikneu war (Faustregel für die Grenze: etwa 1.000 km Fahrleistung). Sie können dann Ihren alten Wagen in Zahlung geben und erhalten die Differenz zum Kaufpreis für den Neuwagen ausbezahlt. Unter Umständen müssen Sie einen gewissen Abschlag für die bisherige Nutzung des Unfallfahrzeugs einkalkulieren.
  • Hat Ihr Fahrzeug einen Totalschaden? Dann erhalten Sie grundsätzlich das Geld für die Wiederbeschaffung eines gleichwertigen Ersatzwagens. Von einem Totalschaden spricht man nicht nur, wenn das Fahrzeug wegen der Schwere der Beschädigung nicht mehr repariert werden kann. Ein (wirtschaftlicher) Totalschaden liegt auch vor, wenn die Kosten der Instandsetzung den Zeitwert des Wagens vor dem Unfall erheblich (in der Regel 20 – 30 %) übersteigen. In Zweifelsfällen können Sie von sich aus einen Sachverständigen beauftragen.
  • Die Kosten eines gleichwertigen Mietwagens für die Zeit der Reparatur oder bis zum Kauf eines neuen Fahrzeugs sind Ihnen in der Regel zu ersetzen. Sie müssen diese Zeit allerdings so kurz wie möglich halten (ggf. wiederholte Anfrage in der Werkstatt!). Auch für die Beschaffung eines neuen Fahrzeugs billigt man Ihnen grundsätzlich höchstens drei bis vier Wochen zu. Schon im eigenen Interesse sollten Sie auf einen möglichst günstigen Mietwagentarif achten, denn da Sie in der Mietwagenzeit Ihr eigenes Fahrzeug schonen, werden ca. 20 Prozent der Kosten nicht ersetzt! Manche Versicherer verzichten allerdings auf diesen Abschlag, wenn Sie das Mietfahrzeug eine Klasse niedriger als Ihren eigenen Wagen wählen.
    Hinweis: Wenn Sie nicht vollen Schadenersatz beanspruchen können, müssen Sie auch einen Teil der Mietwagenkosten aus eigener Tasche bezahlen!
  • Nutzungsausfall können Sie beanspruchen, wenn Sie auf einen Mietwagen verzichten. Je nach Größe, Alter und Ausstattung Ihres Fahrzeugs können Sie mit ca. 25-80 Euro pro Tag rechnen.

Noch drei Tipps zur Schadensabwicklung

Denken Sie bei Bagatellschäden an den Schadenschnelldienst, den viele Versicherungen in größeren Städten unterhalten. Dort wird Ihr Schaden geschätzt. In manchen Fällen können Sie sich die voraussichtlichen Reparaturkosten sogar sofort ausbezahlen lassen. Eine Abfindungserklärung sollten Sie allerdings nur unterschreiben, wenn Sie sicher sind, dass keine verdeckten Schäden mehr vorhanden sind, die Sie noch nicht überblicken können.

Auch wenn Sie den Schaden nicht beheben lassen oder die Reparatur selbst ausführen, können Sie als Schadenersatz den Betrag verlangen, den die Reparatur in einer Werkstatt gekostet hätte. Allerdings wird in einem solchen Fall die Mehrwertsteuer nicht mehr erstattet. Denn nach der im Januar 2002 in Kraft getretenen Neuregelung ist ein Ersatz der Mehrwertsteuer nur dann möglich, „wenn und soweit sie tatsächlich angefallen ist“.

In Zweifelsfällen sollten Sie immer zuerst mit der gegnerischen Versicherung Kontakt aufnehmen, ehe Sie größere Aufwendungen im Vertrauen auf die Ersatzpflicht Ihres Unfallgegners machen. Sie können sich dadurch unliebsame Überraschungen ersparen.

11. Brauchen Sie einen Rechtsanwalt?

Vor allem bei schweren Unfällen mit Personenschäden oder der Gefahr strafrechtlicher Sanktionen (Führerscheinentzug) sowie in Zweifelsfällen (bei unklarer Schuldfrage oder bei Streit über die Höhe des Ersatzanspruchs) wird sich in der Regel die Einschaltung eines Rechtsanwalts empfehlen.

Aber auch in anderen Fällen können Sie sich jederzeit an einen Rechtsanwalt wenden. Die Kosten für die Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche müssen Ihnen von der gegnerischen Versicherung erstattet werden, soweit sich die geltend gemachten Ansprüche als berechtigt erweisen. Andere Kosten müssen Sie in der Regel selbst tragen, wenn Sie nicht rechtsschutzversichert sind.

Haben Sie nur ein geringes Einkommen, erhalten Sie gegen eine niedrige Gebühr trotzdem Rechtsrat (Beratungshilfe). Erkundigen Sie sich nach den näheren Einzelheiten bei Ihrem Amtsgericht.
12. Haften Sie für Schäden Ihrer Mitfahrer?

Für solche Schäden müssen Sie nur aufkommen, wenn Sie an dem Unfall (mit)schuld sind. Sie müssen den Schaden jedoch nicht aus eigener Tasche bezahlen. Ihre Haftpflichtversicherung springt für Sie ein.
Vom Unfallgegner (bzw. dessen Versicherung) können Ihre Beifahrer Schadenersatz verlangen, wenn er wegen der Betriebsgefahr seines Fahrzeugs oder wegen Verschuldens haftet. Da unter Umständen niemand für den Schaden der Mitfahrer einzustehen hat, kann es sich empfehlen, eine Insassenunfallversicherung abzuschließen.

13. Unfälle mit Gebietsfremden

Unfälle mit einem Ausländer können Ihnen auch in der Bundesrepublik passieren. Sie können dann eventuell unmittelbar durch das

Deutsche Büro Grüne Karte e.V.
Glockengießerwall 1, 20095 Hamburg

Schadenersatz erhalten.

Nehmen Sie es in diesen Fällen mit der Aufnahme des Unfalls besonders genau und notieren Sie vor allem auch Namen und Anschrift der Versicherung des ausländischen Beteiligten sowie das Kennzeichen des ausländischen Fahrzeugs.

14. Unfälle im Ausland

Unfälle im Ausland sind meist besonders unangenehm. Die Durchsetzung eines Ersatzanspruchs ist häufig sehr schwierig.
Außerdem sind in einigen wichtigen Urlaubsländern Schäden nicht in dem in Deutschland üblichen Umfang erstattungsfähig.

Grundsätzlich:

  • Notieren Sie die Daten von Fahrer, Halter, Fahrzeug und Versicherung
  • Unterschreiben Sie keine fremdsprachigen Schriftstücke
  • Verwenden Sie für die Unfallaufnahme den mehrsprachigen „Europäischen Unfallbericht“
  • Nehmen Sie Fotos von der Unfallstelle und der Unfallschäden auf
  • Die Schadensabwicklung mit ausländischen Versicherungen ist oft sehr schwierig und langwierig
  • Häufig ist die Einschaltung eines deutschsprachigen Anwalts notwendig

15. Auch das Finanzamt kann Ihnen helfen!

Unfallkosten können bei der Einkommensteuer oder beim Lohnsteuerjahresausgleich steuersenkend wirken. Aufwendungen, die durch einen Verkehrsunfall entstehen, können nämlich – unabhängig vom Verschulden – beim Finanzamt als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend gemacht werden, wenn sich der Unfall auf einer ausschließlich betrieblichen oder beruflichen Fahrt ereignet hat und für den Unfall nicht private Gründe, wie z.B. Alkoholeinfluss, maßgeblich waren.

Als betrieblich sind bei Gewerbetreibenden, Freiberuflern oder Land- und Forstwirten z.B. Fahrten zur Betriebsstätte, zu Kunden, Lieferanten, Mandanten usw. anzusehen. Als berufliche Fahrten kommen bei Arbeitnehmern neben Dienstreisen in erster Linie Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Betracht.

Steuerlich auswirken können sich im Ergebnis nur die tatsächlich entstandenen und um Ersatzleistungen (z.B. von der gegnerischen Haftpflicht- bzw. von der eigenen Kasko- oder Rechtsschutzversicherung) gekürzten Aufwendungen, z.B. Reparaturkosten, gegebenenfalls Wertminderung am eigenen Fahrzeug, Abschleppkosten, Gutachterkosten, Gerichts- und Anwaltskosten.

Steuerlich nicht abziehbar sind dagegen stets evtl. festgesetzte Geldstrafen, Geldbußen, Ordnungs- und Verwarnungsgelder.

Wegen weiterer Einzelheiten wenden Sie sich bitte an das für Sie zuständige Finanzamt.