Presseforum
Pressemitteilung vom 5. Juni 2007:

Kleiner Fisch im großen Teich

Gericht: Amtsgericht Mannheim
Termin: 5. Juni 2007, 13:30
Vorwurf: Erwerb von Betäubungsmitteln

Vor dem Jugendschöffengericht beim Amtsgericht Mannheim muss sich ein Heranwachsender wegen 10 Taten des unerlaubten Erwerbes und Besitzes von Cannabis verantworten. Da es sich jeweils um so genannte nicht geringe Mengen mit einem Wirkstoffgehalt von mehr als 7,5 Gramm THC gehandelt hat, wird die Sache vor dem Jugendschöffengericht verhandelt. Ein Erwachsener hätte bei den vorliegenden Anklagepunkten für jede Tat eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr zu erwarten. Das Jugendstrafrecht orientiert sich allerdings nicht an diesem Strafrahmen, sondern vielmehr an der Notwendigkeit einer erzieherischen Einwirkung auf den Jugendlichen oder Heranwachsenden. Da der Angeklagte nicht das erste Mal auffällig geworden ist, stellt sich die Frage, ob zur erzieherischen Einwirkung, die fraglos notwendig sein wird, eine zur Bewährung auszusetzende Jugendstrafe erforderlich ist, oder eine Maßnahme mit weniger Eingriffsintensität ausreicht. Hierbei wird zu berücksichtigen sein, dass es sich bei dem Angeklagten eher um einen „kleinen Fisch“ handelt, der zusätzlich zu einem umfangreichen Geständnis im Ermittlungsverfahren auch umfangreiche Angaben über seinen Lieferanten – einen eher „größeren Fisch“ – gemacht hat. Dies wird ihm eine im Gesetz besonders vorgesehen Strafmilderung einbringen. Eine Jugendstrafe dürfte jedoch nur dann ausgesprochen werden, wenn bei dem Angeklagten durch die Tat Erziehungsdefizite erkennbar geworden und noch heute vorhanden sind, die einer nachhaltigen erzieherischen Einwirkung bedürfen (so genannte „schädliche Neigungen“). Zu dieser Frage wird in der Hauptverhandlung auch die Jugendgerichtshilfe eine Stellungnahme abgeben.