Presseforum
Pressemitteilung vom 24. Oktober 2007:

WM 2006 Deutschland – Italien und die Schlägerei am Durlacher Tor

Gericht: Amtsgericht Karlsruhe
Termin: 24. Oktober 2007, 8:00
Vorwurf: Körperverletzung

Es werden mehrere Anklagen gegen insgesamt 7 Angeklagte verhandelt. Zu den (voraussichtlich) zwei Hauptverhandlungstagen sind bisher 41 Zeugen geladen.

Anklage 1:
Drei damals 15 und 16 jährige Italiener sollen am 30.6.2006 nach dem WM Spiel Deutschland – Argentinien in der Straßenbahn S2 in Karlsruhe von mehreren deutschen Fußballfans angepöbelt und auch gegen eine Straßenbahn gedrückt worden sein. Anlass dieser Tat war, dass Deutschland im Halbfinale der Fußball Weltmeisterschaft auf Italien treffen sollte und nunmehr (nach Argentinien) auch Italien >>weggeputzt<< werden sollte. Die drei Italiener wehrten sich gegen die Angriffe. Am Ende hatte ein Fußballfan eine Brustprellung, Hämatome am linken Auge, mehrere Beulen am Hinterkopf und einen Nasenbeinbruch. Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass die drei jungen Italiener nicht in Notwehr gehandelt haben sollen, weil sich es zu den Verletzungen erst gekommen sein soll, nachdem der anfängliche Streit bereits durch Unbeteiligte Passanten geschlichtet worden war. Anklage 2: Eine Gruppe von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren soll am 13.10.2006 gegen 19 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle Durlacher Tor spontan auf einen unbeteiligten Jugendlichen eingeschlagen haben. Dabei sollen auch Baseballschläger und Schlagringe eingesetzt worden sein. Der Geschädigte musste aufgrund seiner Verletzungen in der kinderchirurgischen Klinik in Karlsruhe stationär aufgenommen werden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben bisher keine eindeutigen Zeugenaussage ergeben, welche Personen dieser „Gruppe“ angehörten, die den Geschädigten angegriffen haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben auch nicht aufdecken können, welche Motivation dieser Tat zu Grunde lag. Der 21jährige Angeklagte soll in der Nacht vom 16.10.2005 nach einem Besuch der Diskothek XS (in Waiblingen) versucht haben, aus 2 parkenden Pkws Wertgegenstände zu entwenden und in einem weiteren Fall versucht haben ein parkendes Fahrzeug zu entwenden, um mit diesem nachhause zu fahren. Aus der Sicht der Staatsanwaltschaft scheiterte das Vorhaben lediglich daran, dass sich am dritten Fahrzeug die Alarmanlage aktiviert hatte. Anwohner alarmierten die Polizei. Diese fand den Angeklagten in unmittelbarer Nähe zu einem dieser Fahrzeuge, schlafend unter einem Transporter vor. Eine durchgeführte Blutentnahme ergab einen durchschnittlichen BAK Wert von 1,16 Promille. Ein Urintest ergab auch, dass der Angeklagte Cannabis konsumiert hatte. Zwar hat der zuständige Richter ein Gutachten in Auftrag gegeben, in welchem die Voraussetzungen des § 64 StGB (Unterbringung in einer Entziehungsanstalt) geprüft worden sind. Der Gutachter konnte jedoch beim 21jährigen Angeklagten nicht feststellen, dass dieser vom Drang nach alkoholischen Getränken beherrscht wird (sog. Hang). Ein Hang ist jedoch unabdingbare Voraussetzung für eine Unterbringung nach § 64 StGB. Anmerkung: Fortsetzungstermin am 25.10.2007, 08:00