Presseforum
Pressemitteilung vom 20. Juni 2011:

Das Recht in der eigenen Hand

Gericht: Amtsgericht Heidelberg
Termin: 20. Juni 2011, 13:30
Vorwurf: Körperverletzung

Weil ein Obdachloser einen Bekannten körperlich diszipliniert hat, steht er jetzt vor Gericht. Unser Mandant hatte sich darüber aufgeregt, dass sein Bekannter entgegen anderslautender Beteuerungen in Heidelberg weiterhin Drogen, insbesondere an Minderjährige, verkauft habe. Als er ihn zufällig traf, habe er ihn zur Rede gestellt und anschließend auf ihn eingeschlagen. Dabei habe er ihn bis zu einer Apotheke verfolgt, wo er dann von ihm abgelassen habe.
Der Hauptbelastungszeuge ist zwischenzeitlich, mutmaßlich an einer Überdosis, verstorben. Zwar gibt es für die behaupteten Drogenverkäufe Zeugen – dennoch ist es aufgrund des Gewaltmonopols des Staates verboten, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. Bei allem Verständnis für den Zorn des Beschuldigten wird er mit einer Verurteilung rechnen müssen, zumal er die Tat bereits bei der Polizei eingeräumt hat. Allerdings stand er selbst unter nicht unerheblichem Einfluss von Alkohol und Betäubungsmitteln, als er seiner Wut freien Lauf ließ. Dies wird im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen sein und führt unter Umständen zur Annahme verminderter Schuldfähigkeit.